Der Codex Manesse

Das Buch mit sieben Siegeln

Ein geheimnisvolles Buch

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Heute

Neidhart

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Neidhart, genannt von Reuental, einer der bedeutendsten und fruchtbarsten deutschsprachigen lyrischen Dichter des Mittelalters. 

132 Lieder sind unter seinem Namen überliefert, davon 55 mit Melodien. 

Geboren: 1180, Bayern

Verstorben: 1237, Österreich

Ort der Beerdigung:

 Domkirche St. Stephan, Wien, Österreich

NEIDHARTs bekanntestes Lied ist das zum Volkslied gewordene

„Nun will der Lenz uns grüßen“.

Die Manessische Liederhandschrift kennt ihn als "Herrn Neidhart", der Zusatz "von Reuental" leitet sich aus diversen Liedern ab, in denen er sich selbst als Kunstfigur einführt. Er ist wohl eher bildlich gemeint, als dass er eine örtliche Herkunft ausdrückt. Neidhart war schon zu Lebzeiten ungeheuer populär, seine Lieder wurden nicht nur gern gesungen, sondern auch fortgesponnen und nachgedichtet. 

Neidharts Lieder beginnen meist ganz konventionell mit Naturschilderungen: Der schöne Mai ist gekommen, der böse Frost ist verschwunden, alles ist am Knospen und Blühen. 

Und auch die übliche Fortsetzung,   wie sie die Minnesänger schon von den Trobadors abgeschaut hatten, die "Minneklage" über eine unbarmherzige Herrin, die sich weigert, den edelmütigen Sänger zu erhören, weshalb ihm die Maienfreude nicht recht gelingen will, wird pflichtgemäß eingeführt.

Wie Neidhart das Ganze aber fortführt, ist neu, bislang ungehört, ja unerhört: Der Minneklage folgen Schilderungen einer grotesken Szenerie grausamer dörflicher Rüpel ("Dörper"), die mit viel Ellenbogen dem edlen Ritter den Platz streitig machen wollen. „Rumpolt, Gumpolt, Krumpolt,“ heißen diese Herren, „Berchtram, Gosse, Siegebold, Engeldich und Amelolt oder Engelram.“ Und mittendrin: der eitle Hildemar mit seinem Lockenhaar, der tumbe Irrenbär mit seinem Speer und der schreckliche Engelmar, welcher der schöne Friederun den Spiegel fortgerissen hat. Diese Herren, die sich zwar höfisch kleiden, aber ihre bäuerliche Herkunft nicht verleugnen können, treten vorwiegend in großen Gruppen auf. Sie betören und begrabschen die Mädchen, die doch eigentlich ihr Herz dem Ritter schenken müssten, und zetteln Schlägereien an, so dass der Ritter sich manchmal nur noch in ein Fass retten kann.  Kurzum: Neidhart ist der Chronist der aufstrebenden Bauernschaft und des Niedergangs des Rittertums.  Solche Lieder wurden deshalb auch nicht vor einem dörflichen Publikum gesungen, sondern im höfischen Rahmen, zur Freude des ritterlichen Publikums, das seine Ressentiments gegen den frechen Pöbel bestätigt bekam.

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- Berliner Neidhart-Handschrift (c) (45 Melodien)

- Wiener Neidhart-Handschrift (w) (9 Melodien)

- Codex Buranus (1 Melodie, Neumen)

- Sterzinger Miszellaneen Überliefertes Notenmaterial:

-Handschrift (9 Melodien)

- Kolmarer Liederhandschrift (1 Melodie)

- Handschrift x, Nürnberg (1 Melodie)

- Freiburger Neidhart-Eintrag (1 Melodie in Neumen)

LIEDBEISPIELE VON NEIDHART

Meie, dîn liehter schîn

und diu kleinen vogelîn 

bringent vröuden vollen schrîn 

daz si willekomen sîn 

ich bin an den vröuden mîn 

mit der werlde kranc. 

alle tage ist mîn klage, 

von der ich daz beste sage 

unde ir holdez herze trage, 

daz ich der niht wol behage 

von der schulden ich verzage 

daz mir nie gelanc.

also noch genuogen an ir 

dienest ist gelungen

die nach guoter wibe lone 

hoveschlichen rungen,

nu han ich beidiu umbesunst

gedienet unde gesungen.