Im Zentrum des Romans steht eine Figur, die zugleich allgegenwärtig und doch nie wirklich greifbar: Eline, eigentlich Josefine. Sie selbst bleibt stumm. Sichtbar wird sie ausschließlich durch Gedanken und Erinnerungen dreier Männer, aus deren Ich-Perspektiven der Text vollständig besteht.
John Banville erweist sich in Schatten der Gondeln erneut als Meister der schwebenden Zwischenräume. Er changiert zwischen Erinnerung und Illusion, zwischen Selbsttäuschung und Erkenntnis, zwischen Schönheit und Verfall. Der Roman entfaltet seine Wirkung weniger durch äußere Handlung als durch eine psychologische Verdichtung, die den Leser tief in die brüchige Innenwelt der Figuren hineinzieht.
Lindt & Sprüngli, Zwei Familien, eine Leidenschaft ist ein warmer, atmosphärischer Roman mit starkem historischen Fundament. Es lässt einen nicht nur viel über die Anfänge der Schweizer Schokolade erfahren, sondern auch eine berührende Geschichte erleben. Ein Roman wie eine feine Praline von Lindt, die man genussvoll und langsam genießt.
Mit Die Lungenschwimmprobe legt der norwegische Schriftsteller Tore Renberg einen monumentalen historischen Roman vor, der sich durch akribische Recherche, literarischen Anspruch und große atmosphärische Dichte auszeichnet. Auf über 700 Seiten rekonstruiert Renberg nicht nur einen außergewöhnlichen historischen Kriminalfall, sondern entwirft zugleich ein weit gespanntes Gesellschaftspanorama des späten 17. Jahrhunderts.
Mit ihrem neuen Roman In deinem Schlaf führt die georgische Autorin Ekaterine Togonidze (geb. 1981) ihre literarische Auseinandersetzung mit körperlicher und seelischer Verletzlichkeit fort. Bereits ihr Debüt Einsame Schwestern (2011), das erste georgische Werk über körperliche Behinderung, machte sie zu einer der markantesten Stimmen der georgischen Gegenwartsliteratur. Für ihr Schaffen wurde sie 2012 mit dem renommierten Saba-Preis ausgezeichnet.
Als Fan der Reihe um das Sonderdezernat Q war für mich klar: Auch der elfte Band musste sofort gelesen werden. Nach dem Abschluss mit Natrium Chlorid dachte ich eigentlich, die Geschichte sei zu Ende erzählt. Umso größer die Freude, dass es nun doch weitergeht – wenn auch mit einigen einschneidenden Veränderungen.
„Schwedenzauber und Schokoladenträume“ von Hanna Blixt ist ein warmherziger Wohlfühlroman, der Leser:innen in eine verschneite, heimelige Winterwelt entführt. Die Geschichte folgt Nora, die nach einer belastenden Beziehung mit einem narzisstischen Partner in ihre Heimat zurückkehrt, um Abstand und Ruhe zu finden.
Diese Graphic Novel nimmt uns mit in die Zeit, bevor Jane Austen mit ihren weltberühmten Romanen berühmt wurde. Statt einer nüchternen Biografie erleben wir hier eine lebendige Mischung aus historischen Fakten, Fantasie und augenzwinkernden Anspielungen auf ihr Werk. Besonders spannend ist der Hinweis gleich zu Beginn: Vieles bewegt sich im Graubereich zwischen dokumentierter Wahrheit und künstlerischer Interpretation – und genau das macht den Reiz aus.
In der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur kreisen viele Texte um Fragen nach Herkunft, Identität und dem Ringen um Zugehörigkeit. Besonders eindringlich sind die Stimmen der Kinder und Enkel der sogenannten „Gastarbeitergeneration“, die von Nähe und Distanz zu ihren Eltern erzählen, oft im Spannungsfeld zwischen Heimat und Fremde, zwischen Türkei, Südeuropa oder Osteuropa und Deutschland.
Mit dem zehnten Band der Reihe Reihensweise kluge Frauen widmet Mona Horncastle einer der außergewöhnlichsten Persönlichkeiten der Kunstwelt ihre Aufmerksamkeit: Peggy Guggenheim. Statt einer konventionellen Biografie entsteht hier ein klug komponiertes Porträt, das durch eine klare, zugleich elegante Sprache besticht und die Lesenden sofort in den Bann zieht.