Die Charakteristik der handelnden Personen

 

•          Magdalene Nimptsch 

Lene Nimptsch ist die weibliche Protagonistin im Roman. Magdalene Nimptsch „Lene“ ist ein Waisenkind und lebt bei ihrer Pflegemutter Frau Nimptsch. Sie ist in das Kleinbürgertum integriert, allerdings ist ihre wahre Herkunft ungewiss. So spekuliert Frau Dörr, dass „Lene möglicherweise eine Prinzessin“ sein könnte. Lene und ihre Pflegemutter leben in einem Wohnhaus in dem Ort Wilmersdorf, welches durch die Familie Dörr vermietet wird. Dieses Wohnhaus wurde ursprünglich als Abstellraum genutzt und bietet nun eine sehr einfache und spärliche Wohnmöglichkeit für Frau Nimptsch und ihre Pflegetochter. Ihre Charaktereigenschaften zeichnen sie durch Zuverlässigkeit und Ehrlichkeit aus. Zudem wird sie als treue, nachdenkliche und auch heitere Person beschrieben. Obwohl sie keine Bildung genossen hat nimmt sie ihre Umwelt aufgeklärt und intelligent wahr. Letztendlich ist sie bescheiden und hat keine besonderen Ansprüche.

 

„Ach, liebe Frau Dörr“, lachte Lene, „was Sie nur denken. Einbilden! Ich bilde mir gar nichts ein. Wenn ich einen liebe, dann lieb ich ihn. Und das ist mir genug. Und will weiter gar nichts von ihm, nichts, gar nichts, und daß mir mein Herze so schlägt und ich die Stunden zähle, bis er kommt, und nicht abwarten kann, bis er wieder da ist, das macht mich glücklich, das ist mir genug.“ (S.22)

 

Lene stammt aus bürgerlichen Verhältnissen und hatte daher auch keine guten keine guten Ausbildungsmöglichkeiten. Die Briefe an Botho lassen das sehr deutlich erkennen. Obwohl diese Briefe nicht fehlerfrei sind, sind es gerade die Rechtschreibfehler die Botho erfreuen. Er setzt es mit etwas Einfaches, Natürliches und Gutherziges gleich.

Stiehl statt Stiel.... Ja, warum nicht? Stiehl war eigentlich ein gefürchteter Schulrat, aber, Gott sei Dank, ich bin keiner. Und 'emphelen'. Soll ich wegen f und h mit ihr zürnen? Großer Gott, er kann 'empfehlen' richtig schreiben? Die ganz jungen Komtessen nicht immer und die ganz alten nie. Also was schadt's! Wahrhaftig, der Brief ist wie Lene selber, gut, treu, zuverlässig, und die Fehler machen sie nur noch reizender. (S.44)

 

Nach der Trennung von Lene und Botho ziehen sie und ihre Mutter an das Luisen- Ufer, wo Lene ihnen eine „Prachtwohnung“ mietet und ihre einfache Einrichtung durch neue Möbel aufbessern kann. Lene arbeitet von zu Hause aus als Näherin, allerdings ist ihr Verdienst gering, so dass die Ehe mit Gideon Franke ihr eine finanzielle Sicherheit bietet. 

 

•          Botho von Rienäcker

Baron Botho von Rienäcker ist der männliche Protagonist in Fontanes Roman. Botho heißt mit vollem Namen "Baron Botho von Rienäcker" und ist ein Adliger. Er lernt bei einem Ausflug Lene kennen, die beiden beginnen eine Liebesbeziehung. Er genießt die gemeinsame Zeit und besucht Lene und Frau Nimptsch gerne. Er zeigt Verständnis und Toleranz für das Bürgerliche und fühlt sich in Lenes Familie aufgenommen und wohl. 

„Um's Himmels willen, liebe Frau Dörr, lassen Sie doch den Jungen. Ich sitz am liebsten auf einem Schemel, wie mein Freund Dörr hier.“ Und damit schob er den Holzstuhl, den Lene noch immer in Bereitschaft hatte, neben die alte und sagte, während er sich setzte: „Hier neben Frau Nimptsch; das ist der beste Platz. Ich kenne keinen Herd, auf den ich so gern sähe; immer Feuer, immer Wärme. Ja, Mutterchen, es ist so; hier ist es am besten.“ (S.24)

 

Das Leben des Botho von Rienäcker unterscheidet sich nach seiner Herkunft und auch nach seinen Lebensverhältnissen grundlegend von dem Leben der Lene Nimptsch.. Er gehört der oberen Gesellschaftsschicht, dem Adel an und ist ein junger Offizier mit der Bezeichnung „Premierlieutnant im Kaiser- Kürassier-Regiment“. Seine gehobenen Lebensverhältnisse zeigen sich unter anderem an seiner Parterre Wohnung in der Bellevuestraße. Er lebt luxuriös.  Seine Wohnung ist wertvoll ausgestattet mit „persischen Teppich, einem Malachit- Tischchen“. Auch der Kunst ist er zugewandt, was seine Aschenbach- Kunstwerken zeigen. Sein Diener Johann übernimmt alle Hausarbeiten.  Nur seine Finanzen hat er allerdings nicht im Griff. Er lebt über seine Verhältnisse denn „er hat 9.000 jährlich und gibt 12.000 aus.“ So ist es nicht verwunderlich, dass die bereits vorhanden Schulden der Familie Rienäcker weiter anwachsen. daher willigt Botho der Heirat mit seiner vermögenden Cousine Käthe von Sellenthin ein. „Heiraten ist für Rienäcker keine Gefahr, sondern die Rettung.“ Dieser Entschluss führt dazu, dass Botho seinen Wohlstand durch die Heirat mit Käthe von Sellenthin auch im weiteren Verlauf der Handlung fortführen kann. Das finanzielle Vermögen seiner Familie ist damit gerettet.

Bothos Schwäche beschreiben seine Freunde Pit und Wedell sehr treffend:

 

„Rienäcker, trotz seiner sechs Fuß, oder vielleicht auch gerade deshalb, ist schwach und bestimmbar und von einer seltenen Weichheit und Herzensgüte.“ „Das ist er. Aber die Verhältnisse werden ihn zwingen, und er wird sich lösen und frei machen, schlimmstenfalls wie der Fuchs aus dem Eisen. Es tut weh, und ein Stückchen Leben bleibt dran hängen. Aber das Hauptstück ist doch wieder heraus, wieder frei. Vive Käthe! Und Rienäcker!“ (S.60)

 

•          Käthe von Sellenthin

Käthe von Sellenthin ist eine junge Frau von zweiundzwanzig Jahren, welche einer wohlhabenden und angesehenen Familie angehört, die zum Stand des Adels gehört. Sie ist durch Erbschaft im Besitz eines Vermögens. Botho heiratet Käthe nicht aus Liebe, sondern aus Vernunftgründen, womit gezeigt wird, dass er sich von seinen gesellschaftlichen Verpflichtungen und den Erwartungen nicht lösen kann und rettet dadurch die Familie Rienäcker vor dem finanziellen Ruin.  Er ist nicht stark und von den gesellschaftlichen Konventionen nicht unabhängig genug, um dem Druck der gesellschaftlichen Erwartungen standzuhalten. Käthe von Sellenthin ist das Gegenbild zu Lene. Sie wird äußerlich als eine junge, blonde, attraktive und blauäugige Frau beschrieben:

 

„Gewiß. Wundervolle Flachsblondine mit Vergißmeinnichtaugen, aber trotzdem nicht sentimental, weniger Mond als Sonne. Sie war hier bei der Zülow in Pension und wurde mit vierzehn schon umkurt und umworben. (…) Käthe, Käthe Sellenthin... sie war damals wie 'ne Bachstelze, und wir nannten sie so und war der reizendste Backfisch, den Sie sich denken können. Ich seh noch ihren Haardutt, denn wir immer den Wocken nannten.“ (S.59)

 

•          Frau Nimptsch

Frau Nimptsch ist die alte, geschwächte, gebrechliche und gutherzige Pflegemutter von Lene, die meistens neben dem warmen Herdfeuer sitzt. Ihr Vorname bleibt unbekannt. Es freut sie, wenn Botho zu Besuch kommt und sie sich unterhalten, aber auch sie fürchtet, dass die Liebesbeziehung zwischen Botho und Lene in Brüche gehen wird. Sie ist eine bürgerliche Frau, die bescheiden lebt und freundlich ist. Zudem wird sie als träumerisch beschrieben:

 

„Frau Nimptsch selbst aber saß wie gewöhnlich an dem großen, kaum fußhohen Herd ihres die ganze Hausfront einnehmenden Vorderzimmers und sah, hockend und vorgebeugt, auf einen rußigen alten Teekessel, dessen Deckel, trotzdem der Wrasen auch vorn aus der Tülle quoll, beständig hin und her klapperte. Dabei hielt die Alte beide Hände gegen die Glut und war so versunken in ihre Betrachtungen und Träumereien, daß sie nicht hörte, wie die nach dem Flur hinausführende Tür aufging und eine robuste Frauensperson ziemlich geräuschvoll eintrat.“ (S.6)

 

Häufig spricht sie über den Tod. Ihr letzter Wunsch ist, dass nach ihrem Tod ein Immortellenkranz über ihrem Grab hängt:

 

„Zu meiner Zeit, da nahmen wir Immortellen, gelbe oder halbgelbe, und wenn es ganz was Feines sein sollte, denn nahmen wir rote oder weiße und machten Kränze draus oder auch bloß einen und hingen ihn ans Kreuz, und da hing er denn ganzen Winter, und wenn der Frühling kam, da hing er noch. (…) Und ich denke mir immer, je länger der Kranz oben hängt, desto länger denkt der Mensch auch an seinen Toten unten.“ (S.71)

 

Frau Nimptsch stirbt am Ende des Romans, nachdem ihr Frau Dörr ungewollt eine Überdosis Fingerhut verabreicht hat.

 

•          Gideon Franke

Gideon Franke ist eine Nebenfigur in „Irrungen, Wirrungen“. Er tritt erst gegen Ende der Handlung auf. Nach der gescheiterten Beziehung zwischen dem adeligen Botho von Rienäcker und Lene Nimptsch, wird Gideon Lenes Ehemann (S. 178 f.). Bis dahin ist er Junggeselle (S.124).

Gideon kommt aus Bremen, lebt jetzt aber in Berlin. Er ist Leiter einer Fabrik und hat, wie Frau Nimptsch berichtet, „auch ein gutes Gehalt“. Er gehört also dem wohlhabenderen Bürgertum an. Gideon ist „ein ordentlicher und gebildeter Mann, von nicht gerade feinen, aber sehr anständigen Manieren.“ (S.139 f.) 

 

•          Weitere Nebenfiguren

 

Bothos Onkel Kurt Anton von Osten

Bothos Mutter

Der Briefträger Hanke

Bothos Freunde Balafré, Serge, Pitt, Wedell und andere

Frau und Herr Dörr