Metaphern und Symbole11  

 

•          Blumen

Einen besonderen Stellenwert nimmt eine „Zeremonie“ ein, bei der Lene einen Blumenstrauß für Botho pflückt und mit einem ihrer Haare bindet. Sie will dies zuerst nicht, denn „Haar bindet“ (S. 81), und diese Bindung ist für Lene und Botho unzulässig. Er besteht trotzdem darauf und sie kommt seiner Bitte entgegen. Abschließend sagt sie zu ihm: „Du hast es gewollt. Hier, nimm es. Nun bist du gebunden“ (S. 81). Die Situation hat etwas Zeremonielles und die Aussage „Nun bist du gebunden“ erinnert stark an eine Vermählung. Lene und Botho sind sich über die metaphorische Bedeutung dieses Ereignisses bewusst: Es ist eine inoffizielle Eheschließung.

Botho behält den Strauß, das Symbol ihrer Bindung, auch dann noch, als er bereits dreieinhalb Jahre mit Käthe verheiratet ist. Er verbrennt ihn schließlich, um über Lene hinwegzukommen, allerdings vergebens: „Alles Asche. Und doch gebunden“ (S. 180). Die geistige Bindung zwischen Lene und Botho ist sogar stärker als die der offiziellen Ehe.

Vergissmeinnicht

Die Blumen, aus denen der Strauß besteht, werden von Botho einzeln benannt, als Lene sie gesammelt hat. Unter anderem findet er ein Vergissmeinnicht (S. 80). Im Namen dieser Blume steckt schon ihre symbolische Bedeutung er verstärkt nur die Bedeutung der ewigen Bindung, sei sie auch nur in Gedanken.

•          Immortelle

Unvergessen zu bleiben, das wünscht sich auch Frau Nimptsch, und ihr Wunsch ist es, einen Immortellenkranz aufs Grab gelegt zu bekommen, wenn sie verstorben ist (S. 72). Ihre Wahl der Blumen hat dabei einen symbolischen Charakter: „Immortelle“ stammt vom lateinischen Wort „immortalis“, das übersetzt unsterblich bedeutet.  Sie glaubt: „je länger der Kranz oben hängt, desto länger denkt der Mensch auch an seinen Toten unten“ (ebd.). Diese Aussage ist eine Metapher für den Wunsch danach, in den Gedanken der Menschen weiterzuleben.

 

•          Trennung

Neben ihrer unsterblichen geistigen Verbundenheit wird auch das Scheitern der Beziehung zwischen Botho und Lene symbolisch angedeutet. Botho kommt zu Besuch bei Frau Nimptsch und Lene vorbei. Die Dörrs sind auch dort und man verbringt gemeinsam einen gemütlichen Abend. Botho hat Knallbonbons mitgebracht. Lene verletzt sich, als sie mit Botho ein Knallbonbon zerreißt. Ihr Finger fängt an zu bluten.

 

 „Frau Dörr war entzückt. Als es einen Knall gab und noch mehr, als Lenes Zeigefinger blutete. »Das tut nich weh, Lene, kenn ich; das is wie wenn sich `ne Braut in`n Finger sticht [..],wie wenn es eine .Wunde wäre«.“ (S. 26 f)

 

Diese Szene hat eine symbolische Bedeutung. Bothos Mitbringsel ist unterhaltsam und bringt Spaß, doch es ist auch ein flüchtiges Vergnügen. Das könnte für die Beziehung stehen, welche Botho mit Lene eingeht. Sie ist auch mit einem Mal vorbei. Und so ist Lenes verletzter Finger, den sie dem geplatzten Knallbonbon zu verdanken hat, als ein Symbol für ihr Leiden nach der Trennung zu verstehen.

Auch Botho leidet unter der Trennung. Dies wird, wieder symbolisch, dargestellt in einer Szene gegen Ende des Romans. Botho sieht hier, wie ein Glastransporter einen Unfall hat. Auf der Plane des Wagens steht „Glück und Glas“ (S.173). Botho hat gerade erfahren, dass Lene sich mit Gideon verheiraten wird und dass Frau Nimptsch gestorben ist. Alle Spuren des damaligen Glücks scheinen, wie das Glas in diesem Transporter, zerbrochen zu sein.

 

•          Sprechende Namen

Die Namen der wichtigsten Figuren in „Irrungen, Wirrungen“ sind im Hinblick auf die Symbolik gewählt, denn ihre Bedeutungen ergänzen oder kommentieren die Charakterisierung der Figuren. Lenes voller Name ist „Magdalene Nimptsch“. 

 Ihr Name erinnert an die biblische Figur Maria Magdalena. Diese wurde als Sünderin charakterisiert, weil sie uneheliche Verhältnisse zu Männern unterhielt, sie wurde aber von Jesus in Schutz genommen, da sie ein guter Mensch war und niemand frei von Sünde ist. Ebenso unterhielt Lene uneheliche Verhältnisse zu Männern, doch es steht außer Frage, dass in „Irrungen, Wirrungen“ dieses Verhalten nicht als ein zu verdammendes dargestellt wird, sondern dass der Fokus darauf gerichtet wird, dass Lene ein guter Mensch ist.

 

Der Name „Botho“ bedeutet so viel wie „Gebieter“, also ein Herrscher. Dies leuchtet dann ein, wenn man Bothos adelige Herkunft in den Blick nimmt und daran denkt, dass der Adel die politische Macht besaß. Andererseits ist der Name ironisch in Bezug auf Botho von Rienäcker zu verstehen, denn dieser Botho verfügt eher nur über eine geringe eigene Entscheidungsmacht. Vielmehr wird sein Verhalten durch seine Familie und seine gesellschaftliche Stellung gesteuert.

Botho trägt außerdem den Spitznamen „Gaston“, wie er Lene erzählt. Er habe den Namen aus „Der Mann mit der eisernen Maske“, einem Stück, in dem die Hauptfigur eine Maske trägt. Lene wundert sich nicht über diesen Spitznamen, denn, wie sie zu Botho sagt, habe er auch eine Maske (S.71). Sie spielt damit darauf an, dass Botho nicht viel von seinem Leben im Klub und von seinen Zukunftsplänen vor ihr preisgibt.

 

Käthe von Sellenthins Vorname, eine Kurzform von „Katharina“, stammt vom griechischen „katharos“, das übersetzt „rein“ bedeutet. Käthe die Reine macht ihrem Namen alle Ehre, indem sie ihre Jungfräulichkeit behält, bis sie in den Stand der Ehe tritt – und das, obwohl die hübsche junge Frau bereits „mit 14 schon umkurt und umworben“ wurde (S. 59).

 

Gideon Frankes Name ist zweifach bedeutungsvoll. „Gideon“ ist aus der Bibel als der Mann mit einer zertrümmerten Hand bekannt, im Hebräischen bedeutet „Gedeon“ so viel wie „Zerstörer“. Dass Gideon einen religiös so bedeutungsvollen Namen trägt, passt gut zu seiner sehr religiösen Gesinnung, die ihn sogar eine eigene Sekte hat gründen lassen (S. 123). Als „Zerstörer“ könnte man ihn sich in der Situation vorstellen, als er sich Botho als Lenes Verlobter vorstellt und auch erzählt, dass Frau Nimptsch gestorben ist und Lene nicht mehr im Gartenhaus wohnt (S.165 f.). Für Botho wird dadurch jedenfalls seine auf Erinnerungen beruhende Illusion zerstört, dass bei Lene alles wie gehabt sei.

Der Name „Franke“ bedeutet „der Freie“ oder „der Tapfere“, wenn man davon ausgeht, dass es sich um eine Ableitung aus dem Althochdeutschen handelt (ansonsten weist der Name einfach auf eine Abstammung von fränkischen Stämmen hin). Gideon ist, was seine Gesinnung betrifft, zwar sehr religiös, aber auch sehr frei. Er deutet seine Religion selbst und hat in Amerika für verschiedene Kirchen gepredigt. Tapferkeit kann man ihm ebenfalls nachsagen, da er, ohne Furcht und ohne etwas zu verschleiern, persönlich zu Botho geht und ihn frei heraus informiert, mit welchen Absichten er gekommen ist - nämlich, sich über die vergangene Beziehung zwischen Botho und Lene ein Bild zu machen.

 

Frauengestalten aus Schillers „Jungfrau von Orleans“ Beim Treffen der Botho mit seinen Freunden in Hankels Ablage werden die Mätressen nach Figuren aus Schillers »Jungfrau von Orleans« vorgestellt. Margot ist der Name der Schwester der Johanna von Orleans. Königin Isabeau gibt in der Gruppe den Ton an, bestimmt das Programm und verhandelt mit dem Wirt über das Mittagessen. Botho geht auf das Spiel ein und stellt Lene als „Mademoiselle Agnès Sorel“ vor und stellt sie damit der Mätresse Karls VII. gleich. Lene durchschaut das Spiel nicht aufgrund ihrer einfachen Herkunft und Bildungsniveaus