Fontanes literarische Landschaften

 

Mit der Beschreibung der Orte werden Hinweise auf wichtige Konfliktfelder und dramatische Einführungen der zukünftigen Handlung gegeben. 

 

•          Motiv des Verbergens

 

Beispiel: Beschreibung der Gärtnerei 

 

„An dem Schnittpunkte von Kurfürstendamm und Kurfürstenstraße, schräg gegenüber dem »Zoologischen«, befand sich in der Mitte der siebziger Jahre noch eine große, feldeinwärts sich erstreckende Gärtnerei, deren kleines, dreifenstriges, in einem Vorgärtchen um etwa hundert Schritte zurückgelegenes Wohnhaus, trotz aller Kleinheit und Zurückgezogenheit, von der vorübergehenden Straße her sehr wohl erkannt werden konnte. Was aber sonst noch zu dem Gesamtgewese der Gärtnerei gehörte, ja die recht eigentliche Hauptsache derselben ausmachte, war durch eben dies kleine Wohnhaus wie durch eine Kulisse versteckt .“ (S.3)

Bothos und Lenes Liebe vollzieht sich außerhalb der Öffentlichkeit. Ihre Beziehung kann nur abseits der Öffentlichkeit an geschützten Plätzen stattfinden. 

 

Hier zeigt sich auch schon Fontanes Sinn für das  Detail: Die zerbrochene Uhr weist darauf hin, daß, was immer dort auch vorgeht, nicht von großer Haltbarkeit sein wird.

 

•          Rienäckers Bindung an seinen Stand 

 

Beispiel: Beschreibung der Wohnung von Botho

Die Beschreibung der Wohnung zeigt den Lebensstil Bothos auf und damit seine Bindung an seinen Stand. Hier wird der realitätsferne Wunschgedanke von einer Überwindung des Klassengegensatze deutlich. 

In dem Eßzimmer befanden sich zwei Hertelsche Stilleben und dazwischen eine Bärenhatz, wertvolle Kopie nach Rubens, während in dem Arbeitszimmer ein Andreas Achenbachscher Seesturm, umgeben von einigen kleineren Bildern desselben Meisters, paradierte. Der Seesturm war ihm bei Gelegenheit einer Verlosung zugefallen, und an diesem schönen und wertvollen Besitze hatte er sich zum Kunstkenner und speziell zum Achenbach-Enthusiasten herangebildet. (S.40)

 

„Vor dem Sofa, dessen Plüsch mit einem persischen Teppich überdeckt war, stand auf einem Malachittischchen das Kaffeegeschirr, während auf dem Sofa selbst allerlei politische Zeitungen umherlagen, unter ihnen auch solche, deren Vorkommen an dieser Stelle ziemlich verwunderlich war und nur aus dem Baron Bothoschen Lieblingssatze, Schnack gehe vor Politik, erklärt werden konnte. Geschichten, die den Stempel der Erfindung an der Stirn trugen, sogenannte »Perlen«, amüsierten ihn am meisten. Ein Kanarienvogel, dessen Bauer während der Frühstückszeit allemal offenstand, flog auch heute wieder auf Hand und Schulter seines ihn nur zu sehr verwöhnendem Herrn, der, anstatt ungeduldig zu werden, das Blatt jedesmal beiseite tat, um den kleinen Liebling zu streicheln.“ (S.40 ff.)

 

Beispiel: Frivole gesellschaftliche Erwartungen symbolisiert das Ausflugslokal

 

„Nach einer Weile kam der sein »Etablissement« schon von Vater und Großvater her innehabende Wirt, um nach den Befehlen der Herrschaften zu fragen, vor allem auch, ob sie zu Nacht bleiben würden, und bat, als diese Frage bejaht worden war, über ihr Zimmer Beschluß fassen zu wollen. Es ständen ihnen mehrere zur Verfügung, unter denen die Giebelstube wohl die beste sein würde. Sie sei zwar niedrig, aber sonst groß und geräumig und hätte den Blick über die Spree bis an die Müggelberge.“ (S.77)

 

"»Ja«, bestätigte der Wirt, »der Name, der läßt viel zu wünschen übrig und ist eigentlich ein Malheur für uns. Und doch hat es seine Richtigkeit damit, Hankels Ablage war nämlich wirklich eine Ablage, und so heißt es denn auch so.«"(S.84)