Wörtliche Figurenrede

 

Ein besonderes Merkmal in Sprache und Stil nimmt Fontane mit der wörtlichen Figurenrede auf 9

Dadurch wird die Handlung zu einem großen Teil durch den Dialog hervorgebracht, welcher gleichzeitig den verschiedenen Figuren ihre Persönlichkeit verleiht. Trotzdem entstehen keine Figuren die nur ihrem Stand bestimmen. 

 

Figuren werden ›lebendig‹, indem sie sprechen, d.h., indem der Erzähler sie sprechen läßt. Text in Aufführungszeichen. Genauer: der Sprechakt des Zitierens, vermittelt, wie ein Photo, einen A des Authentischen, der sich auch über den umgebenden Text ausbreiten kann, so fiktional er sei. So läßt, sich der Realitätseffekt der von Figurenzitaten ausgeht, wie sie für Fontanes Werk charakteristisch sind, darin sehen, daß man durch den Erzählbruch hindurch die Figur, die doch nur als erzählte existiert, gewissermaßen sprechen hört.10

 

Fontane lässt seine Figuren so sprechen, wie sie wirklich in der realen Welt sprechen. Diese unterschiedliche Sprechweise trennt die Stände voneinander und charakterisiert den Kontrast der gesellschaftlichen Schichten sehr deutlich. Dabei entfaltet sich ein breites und vielfältig ausdifferenziertes Spektrum von Sprechweisen und Stilebenen, das die Schichtenzugehörigkeit der Figuren widerspiegelt. Von der Sprache des einfachen Volkes und Kleinbürgertums bis zum Jargon der Offiziere und den Sprachgepflogenheiten der gehobenen Gesellschaftskreise und des Adels reicht das Spektrum.

Gespräche die Botho in seinem Umfeld führt, zeichnen sich durch Oberflächlichkeit, einem gesellschaftlichen Plauderton aus. Nicht das Gesagte ist wichtig, sondern die Form des Ausdrucks der witzig und geschliffen sein muss. Im Kontrast dazu steht Lenes einfache Redeweise an die Botho Gefallen findet: „Lene, mit ihrer Einfachheit, Wahrheit und Unredensartlichkeit stand ihm öfters vor der Seele.“ (S.132)

Trotzdem kennzeichnet sich das Gespräch der Kleinbürger nicht immer durch Tiefsinnigkeit und Natürlichkeit. Frau Dörr als Kleinbürgerin nutzt genauso viele Floskeln und Redensarten und ihre Aussagen sind oft gleichermaßen oberflächlich und Nichtssagend wie die der Adligen Käthe von Sellenthin. Und auch während Frau Dörr beeindruckt von der von Botho inszenierten Tisch- Unterhaltung ist, sieht Lene sie angesichts der inhaltlichen Leere eher kritisch.